Veränderung der Verwaltungsratsgrösse von SMI-Unternehmen über 35 Jahre

Die Grösse eines Verwaltungsrates (oder eines anderen Leitungsorgans) ist ein oft unterschätzter, aber wichtiger Faktor für die organisatorische Effektivität. Zwar vereinen grössere Gremien eine breitere fachliche Expertise, sie neigen jedoch dazu, Entscheidungsprozesse zu verlangsamen und zu verwässern.

Bereits vor mehr als 30 Jahren stellten Lipton und Lorsch (1992) fest, dass Verwaltungsräte selten das Topmanagement herausforderten oder kontroverse Diskussionen führten, und identifizierten die Grösse des Gremiums als einen zentralen Grund dafür (siehe Link). Sie schlugen vor, Verwaltungsräte auf höchstens zehn Mitglieder zu begrenzen, idealerweise auf acht bis neun. Jensen (1993) betonte in ähnlicher Weise, dass die „starke Betonung von Höflichkeit und Zuvorkommenheit auf Kosten von Wahrheit und Offenheit in Verwaltungsratssitzungen“ eine wirksame Kontrolle behindere. Er argumentierte, dass „Verwaltungsräte, sobald sie über sieben oder acht Personen hinausgehen, mit geringerer Wahrscheinlichkeit effektiv funktionieren und für den CEO leichter zu kontrollieren sind“ (siehe Link).

In seiner wegweisenden empirischen Studie zeigte David Yermack (1996), dass grössere Verwaltungsräte mit niedrigeren Unternehmensbewertungen einhergehen (siehe Link). (Der Finanzprofessor der NYU lehrte zudem regelmässig an der Summer School der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Basel.)

In den vergangenen 30 Jahren hat sich vieles verändert. Wie haben sich die Grössen der Verwaltungsräte von SMI-Unternehmen in der Schweiz seit 1988 entwickelt?

Im Durchschnitt ist die Verwaltungsratsgrösse von etwa 15 Mitgliedern auf rund 10 gesunken und entspricht damit den Empfehlungen der wissenschaftlichen Literatur. 1988 hatte Swissair mit 31 Mitgliedern den grössten Verwaltungsrat, zusammengesetzt aus Vertretern der Politik, grosser Banken und weiteren prägenden Persönlichkeiten der Schweizer Wirtschaft.

In jüngerer Zeit hielt nur noch Richemont an einem Verwaltungsrat mit 20 Mitgliedern fest. Am unteren Ende standen Alusuisse (1999), EMS-Chemie (2000) und die Lonza Group (2002) mit jeweils nur vier Verwaltungsratsmitgliedern; alle drei Unternehmen waren massgeblich von Christoph Blocher und Martin Ebner geprägt.

 

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