In einem interessanten Working Paper analysieren Shapira, Eckstein und Shillo (2026), wie Verwaltungsräte durch zunehmend ausgeweitete regulatorische Erwartungen überlastet werden.
Regulatoren verlangen immer häufiger, dass Verwaltungsräte die Aufsicht über Themen wie Cybersecurity, Geldwäscherei oder Klimarisiken übernehmen. In der Summe entsteht dadurch ein strukturelles Problem: Die Erwartungen an den Verwaltungsrat wachsen, seine Zeit und Aufmerksamkeit bleiben aber begrenzt.
Dies führt auf individueller Ebene zu Informationsüberlastung: Selbst kompetente Verwaltungsratsmitglieder greifen vermehrt auf Heuristiken zurück und vertiefen sich weniger in neue oder komplexe Themen. Auf kollektiver Ebene verzerrt sich die Prioritätensetzung: Strategie und langfristige Risiken geraten eher in den Hintergrund. Die Autoren plädieren dafür, regulatorische Vorgaben, die dem Verwaltungsrat konkrete Aufsichtsaufgaben zuweisen, kritisch zu hinterfragen.
Wie von uns bereits an anderer Stelle dargelegt, muss sich der Verwaltungsrat weiterhin auf seine Kernaufgaben konzentrieren: die Festlegung der Unternehmensstrategie sowie die Auswahl, Instruktion und Überwachung der Geschäftsleitung. Diese Aufgaben sorgfältig zu erfüllen, ist anspruchsvoll genug.