Vor- und Nachteile von exekutiven Verwaltungsratsmitgliedern

In der Schweiz kann der Verwaltungsrat als «One-Tier-Board» das Tagesgeschäft selber übernehmen. In börsenkotierten und grösseren Firmen ist die operative Führung üblicherweise an die Geschäftsleitung delegiert. Für diese Delegation ist ein Organisationsreglement zwingend.

Im Gegensatz zum deutschen Two-Tier-Board, wo es eine strikte Trennung zwischen Aufsichtsrat (Überwachung) und Vorstand (Geschäftsführung) gibt, war es in der Schweiz jedoch durchaus üblich — wie in den USA noch immer — dass der CEO gleichzeitig Verwaltungspräsident ist oder zumindest als Delegierter im Verwaltungsrat Einsitz nimmt.

1988 gab es bei 15 von 20 SMI-Unternehmen exekutive Mitglieder. Fritz Gerber war beispielsweise zwischen 1988 und 1991 sogar Präsident und CEO in Personalunion von Roche und Zurich gleichzeitig. Im Durchschnitt waren es 8.2 % exekutive Mitglieder. Der Tiefstand wurde 2017 mit 4 % erreicht. Heute haben noch 5 von 20 Unternehmen exekutive Mitglieder. Partners Group zieht den Durchschnitt mit 57 % resp. vier exekutiven Mitgliedern (Steffen Meister, Marcel Erni, Alfred Gantner und Urs Wietlisbach) deutlich nach oben. Zuvor hatte die Swatch Group mit 33 % exekutiven Mitgliedern den Durchschnitt nach oben gezogen (Nayla Hayek und Nick Hayek).

Hier zur Datenbank: Characteristics of SMI Board Directors – Governance Advisors

Dabei gibt es wie immer Vor- und Nachteile. Auf der einen Seite benötigt der Verwaltungsrat genügend Informationen zum Tagesgeschäft und zu den Risiken, um seiner Verantwortung gerecht zu werden. Exekutive Verwaltungsräte können diese Informationsasymmetrien reduzieren. Das kann die Entscheidfindung verbessern, was insbesondere in Zeiten, in denen schnell entschieden werden muss, wichtig sein kann. Dies kann in Turnaround-Situationen oder bei schnell wachsenden Unternehmen der Fall sein.

Auf der anderen Seite überwacht ein exekutiver Verwaltungsrat sich praktisch selbst, und die Mitglieder sind möglicherweise zu stark in das Tagesgeschäft involviert, sodass ihre Sichtweise im Widerspruch zu einer externen, neutraleren Perspektive stehen kann. Darüber hinaus können enge Beziehungen, Freundschaften oder sogar Abhängigkeiten vom CEO und seinem Verwaltungsrat die Unabhängigkeit beeinträchtigen und zu Absprachen und Interessenkonflikten führen. Beispielsweise können kompromittierte Entscheidungen des Verwaltungsrats dazu führen, dass Führungskräfte zu spät ersetzt oder zu hoch bezahlt werden, was den Interessen der Aktionäre zuwiderläuft.

Eine empirische Studie zur Unabhängigkeit und der Anzahl Mandate der Verwaltungsräte in der Schweiz finden Sie hier: Boards: Independent and committed directors? – ScienceDirect

 

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