Das institutionelle Umfeld wird nicht nur durch Hard Law und Soft Law geprägt, sondern auch durch informelle Regeln und Normen, kurz Kultur.
In Europa unterscheiden sich Governance Traditionen deutlich, was auch kulturelle Normen widerspiegelt. Frankreich stützt sich traditionell auf ein einstufiges Board System, häufig geprägt durch ein starkes PDG Modell, bei dem CEO und Präsidentenfunktion in einer Person vereint sind, während Deutschland und Österreich eine zweistufige Struktur mit einer strikten Trennung von Aufsichts und Führungsfunktionen betonen (Volonté, 2015, https://link.springer.com/article/10.1007/s11575-014-0216-5).
Die Schweiz ist ein besonders geeignetes Testfeld, weil ein einheitliches Aktienrecht in allen Regionen gilt, die Governance in der Praxis jedoch dennoch variiert. Unternehmen in der Deutschschweiz trennen häufiger Aufsichts- und Managementfunktionen, während Unternehmen in der Westschweiz häufiger, oft den CEO, im Verwaltungsrat haben (siehe Abbildung).
𝘐𝘮𝘱𝘭𝘪𝘬𝘢𝘵𝘪𝘰𝘯: Wer Corporate Governance anpasst, sollte lokale Governance Traditionen und unternehmerische Realitäten berücksichtigen, statt Best Practice Vorlagen zu importieren. Das gilt umso mehr beim Vergleich grundlegend unterschiedlicher Systeme, etwa einer breiten US Streuaktionärsstruktur mit starken CEOs gegenüber konzentrierten Eigentumsstrukturen mit starken Verwaltungsratspräsidenten, wie sie in der Schweiz häufig anzutreffen sind, wie in meinem früheren Beitrag diskutiert: https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:7391716515961810944.