In den vorherigen Beiträgen haben wir argumentiert, dass Corporate-Governance-Strukturen am besten als Antworten auf unternehmensspezifische Herausforderungen innerhalb des institutionellen Rahmens (Hard Law, Soft Law und Kultur) zu verstehen sind. Ein weiterer Schlüsselfaktor ist die Eigentümerstruktur.
Da Aktionäre den Verwaltungsrat wählen, übersetzt sich Eigentumskonzentration direkt in Governance-Einfluss. Dies zeigt sich besonders deutlich bei Familienunternehmen. Wir definieren Familienunternehmen als Unternehmen, in denen eine Familie mehr als 20% der Stimmrechte hält, und vergleichen sie mit Nicht-Familienunternehmen. In unserem 2024-Sample börsennotierter Schweizer Unternehmen sind 45% familienkontrolliert. Bei einer durchschnittlichen GV-Präsenz von rund 68% bedeuten solche Beteiligungen typischerweise erhebliche faktische Stimmkraft bei Verwaltungsratswahlen.
Aus Governance-Perspektive schafft Familienkontrolle einen Trade-off: Einerseits üben kontrollierende Familien oft aktive Überwachung aus und mildern klassische Principal-Agent-Probleme zwischen Aktionären und Management. Andererseits kann konzentrierte Kontrolle Principal-Principal-Konflikte erzeugen, bei denen die Interessen kontrollierender Aktionäre von jenen der Minderheitsaktionäre abweichen.
Deshalb ist solide Corporate Governance in börsenkotierten Familienunternehmen für Minderheitsaktionäre besonders wichtig. Verwaltungsrats-Governance-Mechanismen müssen helfen, effektive Kontrolle mit glaubwürdigem Minderheitenschutz auszubalancieren.
Die Abbildung kontrastiert Familien- und Nicht-Familienunternehmen entlang von vier Governance-Dimensionen. Die Unterschiede sind deutlich: In Familienunternehmen sitzen weniger unabhängige Mitglieder im Verwaltungsrat (49.9% vs 59.0%), dafür mehr direkte Aktionärsvertreter (37.0% vs 26.1%). Gleichzeitig legen sie seltener Board Evaluations offen (46.5% vs 69.5%) und setzen kaum Amtszeitbeschränkungen ein (6.2% vs 41.4%).
Hinweis: In privaten (nicht börsenkotierten) Familienunternehmen unterscheiden sich die Governance-Herausforderungen grundlegend. Ohne externe Minderheitsaktionäre verlagert sich der Fokus vom Minderheitenschutz auf Nachfolgeplanung, Konfliktlösung innerhalb der Familie und Professionalisierung.
