In den bisherigen Beiträgen haben wir gezeigt, dass Corporate Governance Strukturen das institutionelle Umfeld und die Eigentümerstruktur widerspiegeln. Ein weiterer bestimmender Faktor ist das operative Umfeld des Unternehmens.
Die Unternehmensgrösse ist in diesem Zusammenhang ein wichtiger Faktor.
Grössere Unternehmen sind typischerweise in mehr Geschäftsfeldern tätig, über mehrere Jurisdiktionen hinweg aktiv und verfügen über komplexere Organisationsstrukturen. Grösse geht zudem häufig mit einer stärkeren Marktpräsenz und höherer Sichtbarkeit einher. Entsprechend stehen verschiedene Governance-Merkmale in einem systematischen Zusammenhang mit der Unternehmensgrösse. Ein Beispiel ist die Grösse des Verwaltungsrats, die tendenziell mit der Unternehmensgrösse zunimmt.
Auch das Management kann persönlich von Unternehmenswachstum profitieren. Die Vergütung von CEOs steht in einem engen Zusammenhang mit der Unternehmensgrösse (Gabaix und Landier, 2008). In der Praxis erfolgt die Festlegung der Vergütung zudem stark benchmark-orientiert: Verwaltungsräte richten die Entschädigung an Vergleichsunternehmen aus, die typischerweise nach Grösse definiert werden (Edmans, Gosling und Jenter, 2023).
Empire Building bezeichnet Anreize von Managern, die Unternehmensgrösse auszuweiten – etwa durch Fusionen und Übernahmen – selbst wenn solche Transaktionen den Aktionärswert mindern. Die Führung eines grösseren Unternehmens kann mit höherem Prestige und höherer Vergütung verbunden sein.
Der starke Zusammenhang zwischen Unternehmensgrösse und Vergütung zeigt sich auch in der Schweiz. Die Abbildung zeigt die Medianvergütung von CEOs und Verwaltungsratspräsidenten von 2011 bis 2024 für Large Caps (> CHF 10 Mrd.), Mid Caps (CHF 2–10 Mrd.) und Small Caps (< CHF 2 Mrd.). Die Vergütung steigt über den gesamten Zeitraum hinweg mit der Unternehmensgrösse – sowohl für CEOs als auch für Verwaltungsratspräsidenten.
