Eigentumskonzentration prägt Corporate Governance. In der Schweiz ist staatliches Eigentum bei börsenkotierten Unternehmen insbesondere im Bankensektor durch die Kantonalbanken relevant. Viele Kantone definieren eine Eignerstrategie und einen Leistungsauftrag, und die meisten Kantonalbanken profitieren von einer Staatsgarantie.
Kantonalbanken existieren in zwei unterschiedlichen Governance-Formen:
🔵 Kantonalbanken als öffentlich-rechtliche Anstalten sind vollständig vom Kanton kontrolliert: Der Kanton hält 100% der Stimmrechte. Die Mitglieder des Verwaltungsrats werden von kantonalen Behörden (Regierungsrat und/oder Parlament) ernannt und nicht an einer Generalversammlung gewählt. Alle Mitglieder können daher als Kantonsvertreter behandelt werden und gelten nicht als unabhängig. Die Amtsdauer beträgt typischerweise vier Jahre, häufig ergänzt durch Amtszeit- und/oder Alterslimiten. Die breite Öffentlichkeit beteiligt sich häufig über Partizipationsscheine, die Dividendenrechte, jedoch keine Stimmrechte vermitteln. Beispiele: Basler Kantonalbank, BLKB, Graubündner Kantonalbank, Thurgauer Kantonalbank.
🔵 Kantonalbanken als Aktiengesellschaften unterstehen dem schweizerischen Obligationenrecht und unterscheiden sich zwischen privatrechtlichen Gesellschaften (z.B. Berner Kantonalbank), spezialgesetzlichen Gesellschaften (z.B. Banque Cantonale de Genève) und gemischtwirtschaftlichen Aktiengesellschaften (Art. 762 OR; z.B. St. Galler Kantonalbank). Der Kanton hält substanzielle Stimmrechtsanteile (Durchschnitt: 54.7%), von Zuger Kantonalbank (33.3%) bis Walliser Kantonalbank (70.3%), und dominiert damit die Wahl des Verwaltungsrats. Im Durchschnitt sind 48.5% der Mitglieder unabhängig, 43.4% gelten als Kantonsvertreter. Die Luzerner Kantonalbank verfügt über einen vollständig unabhängigen Verwaltungsrat. Die Amtsdauer beträgt in der Regel ein Jahr, kann aber länger sein (z.B. 5 Jahre bei der Banque Cantonale du Jura). Weitere Aktien-Kantonalbanken in unserer Stichprobe: Banque Cantonale Vaudoise, Glarner Kantonalbank.
Zum Vergleich: Bei anderen börsenkotierten (nicht-kantonalen) Banken hält der grösste Aktionär 30.9% der Stimmrechte; 68.0% der Verwaltungsräte sind unabhängig, und Aktionärsvertreter machen 20.5% aus.
Welchen Einfluss haben Eigentumsstruktur und Wahlmodus auf die Zusammensetzung des Verwaltungsrats? Die Abbildung zeigt die Entwicklung der durchschnittlichen Kompetenz pro Mitglied von 1998 bis 2024. Alle drei Gruppen verzeichnen einen nachhaltigen Anstieg. Kantonalbanken – insbesondere öffentlich-rechtliche Anstalten – haben die Lücke in den letzten Jahren deutlich verkleinert.
